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Großvater Herrman und sein Gewehr

An meinen Großvater Hermann habe ich keine persönliche Erinnerung mehr. Er starb, als ich noch ein Kleinkind war. Alles was ich weiß, stammt aus Erzählungen meines Vaters und meiner Tanten. Er soll ein kleiner, fröhlicher, geselliger Mensch gewesen sein. Seine Hilfsbereitschaft war sprichwörtlich. Oft hatte die Großmutter Mühe, den Haushalt zu finanzieren, weil Großvater Hermann sein Geld freigiebig anderen Menschen geschenkt hatte.

Dieser Großvater besaß von seinen Vorfahren ein Gewehr aus dem Krieg 1870/71. Er hat wahrscheinlich in seinem ganzen Leben nie einen Schuss mit dieser Waffe abgefeuert. Aber er legte großen Wert auf turnerisches Training und Fitness. Jeden Morgen vor dem Dienst ging er mit der Waffe in den Garten und machte damit Freiübungen. Bei der Machtübernahme Hitlers 1933 geschah nun etwas, dass in den Geschichtsbüchern keinen rechten Niederschlag gefunden hat. Die Nationalsozialisten forderte alle Privatpersonen unter Androhung drakonischer Strafen auf, ihre privaten Waffen abzugeben. Dies hat mein Großvater den Nationalsozialisten sehr übel genommen. Niemand hatte sich bisher um seinen alten Schießprügel gekümmert. Er wollte damit ja auch gar nicht schießen sondern nur seine Freiübungen machen.

Das Perfide an der Übergabe der Waffen bestand darin, dass nun die Schlägertrupps der Nationalsozialisten die einzigen Waffenträger waren und diese auch rücksichtslos gegen vermeintliche Gegner einsetzte. Die Zivilbevölkerung war entwaffnet und jeder Widerstand gegen die neue Obrigkeit konnte beliebig niedergeschlagen werden.

Die amerikanische Zivilbevölkerung hat bis heute in großem Umfang private Waffen. Dieses wird von den Amerikanern auch mit großer Vehemenz verteidigt, obwohl die Folge ist, dass Schussverletzungen in den USA an der Tagesordnung sind. Das Verbot privater Waffen, welches sich in Deutschland auch nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten hat, führt immerhin dazu, dass Schussverletzungen in Deutschland weiterhin eine Rarität sind. Auch andere Länder, wie zum Beispiel die Schweiz oder Schweden, haben in hohem Umfang private Waffen. In diesen Ländern ist die Rate von Schussverletzungen ähnlich niedrig wie bei uns. Es kommt also wohl weniger auf den privaten Waffenbesitz an als auf die Ausführungsbestimmungen und die staatliche Ordnung.

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