Eine Spezialabschirmung für die Strahlentherapie von Schwangeren Article in Strahlentherapie und Onkologie 184(2):80-85 · February 2008 with 300 Reads DOI: 10.1007/s00066-008-1729-2 Abstract Ziel: Messung der Strahlendosis mit einem Phantom am Ort des Uterus einer Schwangeren für verschiedene Bestrahlungstechniken mit und ohne Einsatz einer Spezialabschirmung. Material und Methodik: Zur Bestrahlung einer schwangeren Patientin wurde ein Tunnel aus 1 cm dickem Walzblei zur Reduktion der Streustrahlendosis auf den Unterleib konstruiert. Die Reduktion der Streustrahlendosis im Unterleib wurde für drei typische Bestrahlungssituationen (Cerebrum mit lateralen Gegenfeldern, 6-MV-Photonen; Mammatangente, 6 MV, mit Einsatz von motorischen Keilfeldern; Mediastinum mit anteroposterior-posteroanterioren [a.p.-p.a.] Gegenfeldern, 15 MV) an einem anthropomorphen Alderson-Phantom mittels Thermolumineszenzdosimetern in verschiedenen Tiefen bzw. mittels Ionisationskammer in einem Phantom aus RW3-Platten gemessen. Bei lateralen Gegenfeldern wurde eine fahrbare Bleiwand zur zusätzlichen Reduktion der Durchlassstrahlung des Beschleunigerkopfes eingesetzt. Ergebnisse: In Abhängigkeit von der Bestrahlungsgeometrie und Photonenenergie lässt sich eine Dosisreduktion der Streustrahlung im Unterleib über die Tiefen von 6, 9 und 12 cm gemittelt von 16% (15 MV, Mediastinum) bis 51% (6 MV, Cerebrum, zusätzliche Bleiwand) erreichen. Die absolute Dosis der Streustrahlung mit Abschirmung liegt dabei für eine Fraktionsdosis von 2 Gy über die verwendeten Tiefen gemittelt bei 3,85 mGy bzw. 0,27 mGy. Schlussfolgerung: Die in nationalen und internationalen Empfehlungen zur Dosisbelastung von Schwangeren und Feten genannten Richtwerte von 200 mSv (DGMP-Bericht Nr. 7) bzw. 100 mGy (ICRP 84), unterhalb deren ein Schwangerschaftsabbruch aufgrund der Bestrahlung nicht erwogen werden sollte bzw. ab denen eine Indikation nach individueller Dosisberechnung gestellt werden kann, können durch die Verwendung der hier vorgestellten Abschirmvorrichtungen unterschritten werden. Eine Bestrahlung von Schwangeren ist unter dem Gesichtspunkt der Strahlenbelastung daher bei entsprechenden besonderen Vorsorgemaßnahmen möglich. DGMP-Berichtes Nr. 7 (2002, zusammen mit DEGRO: Pränatale Strahlenexposition aus medizinischer Indikation) DGMP Bericht 7 (überarbeitet und ergänzt 2002) ICRP Publication 84 (2000)
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allgemeines Da Strahlenbelastungen bei schwangeren Frauen sehr selten vorkommen und meistens unkontrolliert sind, muß auf sehr alte Daten und Tierversuche zurückgegriffen werden.
Risikoschätzung (1)
Effekt Zeit nach Zeugung untere Schwelldosis Risoko - Koeffizient
Absterben vor der Einnistung - 10d 100 mSv 0,1 % / mSv
Mißbildungen 8.-15. SSW 300 mSv 0,04 % / mSv
16.-25. SSW 300 mSv 0,01 % / mSv
IQ-Reduktion 8.-15. SSW - 0,03 IQ / mSv
16.-25. SSW - 0,01 IQ/ mSv
Maligne Erkrankungen - - 0,006 % / mSv
vererbbare Defekte männlich 0,0003 % / mSv
weiblich 0,0001 %/ mSv
Erklärungen Schwelldosis Mindestdosis, um einen Effekt zu erzielen
Risikokoeffizient Beziehung zwischen Strahlendosis und Risiko der Schädigung
SSW Schwangerschaftswoche
IQ Intelligenzquotient
Krebs-Inzidenz (2,3,4) Krebs nach RT eines Embryos Kinder, die Röntgenstrahlen ausgesetzt wurden, unterschieden sich in folgenden Punkten von der Normalbevölkerung:
  • Erstgeborene
  • höhere soziale Klasse
  • Mütter mit Fehlgeburten
  • Schwangerschaften mit drohendem Abort
  • Kinder älterer Frauen
  • weiße Hautfarbe
  • mongoloide Kinder
Daher hatten sie auch ohne Strahlenexposition ein 20 % höheres Krebsrisiko
Quelle 1.) DGMP-Bericht Nr. 7 (2002)

2.) Russel JGB:
Radiology in obstetrics and antenatal paediatrics.
Butterworths-Verlag London 1973

3.) Newcombe H B, McGregor J F: Childhood cancer following obstetrics radiography. Lancet 1971;2:1151-1152

4.) Russel JBG: X-rays and childhood cancer. Lancet 1971;2:632
blauer Punkt

 

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